Urlaub auf Usedom ?

Urlaub auf Usedom ?

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde ist ein Muss !

Penemünde – Wiege der Idee von der Raumfahrt und Heeresversuchsanstalt im III. Reich

Wer seinen Urlaub auf der Ostseeinsel Usedom verbringt , sollte auf jeden Fall – es herrscht dort auch nicht an allen Tagen eitel Sonnenschein – einen Besuch in Peenemünde einplanen.Hierbei bin ich mir völlig im Klaren darüber, dass sich dieser Tipp vorwiegend an männliche Urlauber richtet, denn auch bei der eigenen Ehefrau stieß dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe: „Ach nee, kein Museum!“ Trotzdem, der Besuch lohnt sich!

Geschichtsstandort Peenemünde
Der kleine Ort Peenemünde, gelegen am westlichen Ende der Insel Usedom am Übergang des Peenestromes in die Ostsee, wurde bereits im Jahr 12882 erstmals urkundlich erwähnt. Das geschichtliche Spektrum des Ortes reicht von der Landung des Schwedenkönigs Gustav II Adolf mit seinem Heer im Jahr 1630 und der Überführung seines Leichnams nach Schweden im Jahr 1633 und der bis 1720 währenden Zugehörigkeit zu Schweden. Nach Ende des Nordischen Krieg gehört Peenemünde ab 1721 zu Preußen. Über den Zeitraum von 1282 bis 1936 befand sich Peenemünde im Besitz der Stadt Wolgast.1936 kaufte die Wehrmacht praktisch den gesamten Peenemünder Haken mit der Ortschaft, die daraufhin so gut wie evakuiert wurde und gründete hier die Heeresversuchsanstalt (HVA).

Bereits in der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf südlich von Berlin begann im Jahr 1932 ein Mann an einem Raketenprojekt mitzuarbeiten, dessen Name späterhin mit Peenemünde in einer engen Verbindung stand: Dr. phil. Wernher von Braun. Seine Leidenschaft galt den Raketen über die er zum Thema „Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete“ 1934 promoviert hatte. Ihm gelang hier 1934 schließlich mit den Raketen „Max“ und Moritz“ mit einer Flughöhe von 2,3 km, womit der erfolgreiche Start in das Raketenprogramm gelungen war. Sein Ehrgeiz, Raketen zu entwickeln, die eine größere Höhe erreichen konnten und die mit anderem Treibstoff einen wesentlich größeren Schub erreichen konnte, machten ihn für die Nazis zum geeigneten technischer Direktor Heeresversuchsanstalt Peenemünde.

Und Peenemünde wurde ausgebaut und für diese Zwecke ausgerüstet: Die PeenemünderWerkbahn erhielt in Zinnowitz einen Anschluss an das Netz der Reichsbahn, der Flugplatz wurde gebaut, für einen neuen Treibstoff auf der Basis von Ethanol und Flüssigsauerstoff entstand das Sauerstoffwerk II zur Flüssigsauerstoffgewinnung für den Antrieb von Aggregat 4-Raketen („V2“). Daneben entstanden Prüfstände, Prüftürme, Ringwälle für den Abschuss der Raketen und … das Kohlekraftwerk mit einer Leistung von 30 Megawatt, von denen alleine das Sauerstoffwerk einen Bedarf von 22 Megawatt hatte.

Wernher von Braun, der hier eigentlich Raketen bauen wollte, die zum Mondfliegen konnten, entwickelte das Aggregat 4, einer Großrakete mit Flüssigkeitstreibstoff, die von den Nazis sofort als „Vergeltungswaffe“ V2 bezeichnet wurde. Sie startet am 3.101942 vom Prüfstand VII und flogt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 5.500 km/h in einer Höhe von 89 km, am Rande des Weltraumes, 190 km weit. doch so spektakulär ihr Start auch gewesen sein mag, hatte sie von Beginn an doch nur eine einzige Bestimmung – den Transport eines tonnenschweren Sprengkopfes im Zweiten Weltkrieg.

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde
Über das Wirken des gleichermaßen musisch wie naturwissenschaftlich begabte Ingenieurs Wernher von Braun, der schließlich aus Opportunismus den fatalen Pakt mit den Nationalsozialisten einging , die ihm nahezu unbegrenzte Mittel für seine Forschungen zur Verfügung stellen, berichten die Ausstellungen im Historisch-Technischen Museum.
Es befindet sich im Gebäude des Kraftwerks, das gemeinsam mit dem Sauerstoffwerk eines der wenigen Gebäude der Heeresversuchsanstalt ist, das bis heute überdauert hat.
Das ursprünglich privat geführte Historisch Technische Informationszentrum wurde 2001 in den Rang eines Museums erhoben, durch eine Mehrheitsbeteiligung des Landes abgesichert und zu einer Touristenattraktion entwickelt, die heute mit etwa 300.000 Besuchern – Urlauber jährlich zu den meistbesuchten Kulturstätten Norddeutschlands zählt. Eine ständige Ausstellung dokumentiert in den beiden Abschnitten „Die Enden der Parabel“ und „Das Raketenerbe von Peenemünde“ unter Einbeziehung umfangreichen Quellenmaterials die Raketenentwicklung, die Geschichte der Versuchsanstalten sowie die Produktion und die Folgen des Einsatzes der Peenemünder „Wunderwaffen“.

Zu sehen sind originale Fundstücke der Erprobungen in Kummersdorf und Peenemünde sowie historische Darstellungen der Orte und des dortigen Wirkens. Zitate und Belege von Praktikern, Politikern und Strategen geben Einblicke ins Denken der Akteure. Seit 2012 ist im Historisch-Technische Museum die dritte Abteilung der Dauerausstellung unter dem Titel „ Das Kraftwerk – Gebaut für die Ewigkeit… ?“ eröffnet, in deren Mittelpunkt die Geschichte dieses größten Industriedenkmals Mecklenburg-Vorpommerns von seinen Anfängen 1939 bis zu seiner Schließung am 1. April 1990 steht.

Begleitprogramm für technisch weniger interessierte (Ehe-)Partner
Um beim Kraftwerk zu bleiben und hier zwischen den (Ehe-)Partnern einen gerechten Interessenausgleich zu finden: Das ehemalige Kraftwerk ist mehr als nur die lebende Dokumentation der Vergangenheit: Alljährlich locken die „Peenemünder Konzerte“ im Rahmen des Usedomer Musikfestivals hunderte Musikliebhaber und Urlauber in die historischen Gemäuer des Kraftwerks in die einstige Turbinenhalle: Am 24.09.2016 wird hier das Eröffnungskonzert mit der Baltic SeaPhilharmonic stattfinden, das junge Musiker aus allen zehn Ostseeanrainerstaaten vereint. Am gleichen Ort findet am 14.10.2016 das Abschlusskonzert der Saison im Musikland MV mit dem NDR- Sinfonieorchester statt.

Ein weiteres Museum in Peenemünde, die Phänomenta, lädt zu einer spannende Entdeckungsreise durch die faszinierende Welt der physikalischen Phänomene und menschlichen Sinne.

Oder man lässt sich vom und im Spielzeugmuseum Peenemünde verzaubern – von den 25.000 Ausstellungsstücken dreier Jahrhunderte, die in über 100 Vitrinen und 1.000 Kleinregalen präsentiert werden. Hunderte durch Künstlerhand gestaltete Szenen lassen den Besuch zu einer Entdeckungsreise werden. Verschiedene Themenbereiche erleichtern die Übersicht. Teddybären und Puppen, Indianer und Cowboys, Dampfmaschinen und Autos, historische Klassenzimmer und Eisenbahnen bis hin zu Soldaten verschiedener Epochen.

Um aber auch auf die kulinarische Seite zu versweisen: Wie wäre es mit einem Besuch im Gasthaus & Pension „Alte Wache” ? Hier kann man sogar die Ferienwohnung als Einzel- oder Doppelzimmer buchen oder sich von der Gastronomie überraschen lassen.

Und zum Abschluss: Ein gemeinsamer Rundgang
Die Heeresversuchsanstalt Peenemünde galt zwischen 1936 und 1945 als eines der modernsten Technologiezentren der Welt. In der benachbarten Erprobungsstelle der Luftwaffe wurden Flugkörpermit revolutionärer Technik getestet. Die Forschung diente jedoch von Beginn an nur einem Ziel: Hochtechnologie sollte militärische Überlegenheit schaffen.

Geblieben sind heute in Peenemünde die Ruinen der militärischen Vergangenheit, die von der Natur zurückerobert werden. Die 25 km² große Gemarkung Peenemünde birgt eine Vielzahl von Boden- und Baudenkmalen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Die „Denkmal-Landschaft“ ist ein öffentlicher Rundweg von ca. 25 km Länge mit heute 20 Stationen. Seit dem Jahr 2007 werden Urlauber zu historisch interessanten Punkten geführt.